{"id":311,"date":"2018-01-28T15:11:29","date_gmt":"2018-01-28T14:11:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kanzlei-kellner.org\/blog\/?p=311"},"modified":"2018-01-28T15:13:40","modified_gmt":"2018-01-28T14:13:40","slug":"die-mietwagenfalle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kanzlei-kellner.org\/blog\/die-mietwagenfalle\/","title":{"rendered":"Die Mietwagenfalle"},"content":{"rendered":"<h2>Das Problem<\/h2>\n<p>Der gesetzliche Grundgedanke ist einfach: Wer im Stra\u00dfenverkehr das Eigentum eines anderen besch\u00e4digt, muss diesen schadlos halten, jedenfalls soweit seine eigene Verantwortlichkeit (etwa aufgrund Verschuldens oder der sogenannten Betriebsgefahr) reicht und nicht aufgrund einer Mitverantwortung des Gesch\u00e4digten gemindert ist. Es gilt der Grundsatz der Totalreparation, das bedeutet, es ist im Prinzip der gesamte Schaden des anderen zu ersetzen.<\/p>\n<p>Wenn Sie also etwa an der roten Ampel warten und ein Fahrzeug von hinten kommend nicht rechtszeitig bremst, sondern auf Ihr Fahrzeug auff\u00e4hrt und es besch\u00e4digt, muss der Fahrer &#8211; bzw. seine Versicherung &#8211; des anderen Fahrzeugs die Reparatur Ihres Wagens bezahlen. Wenn Ihr Wagen wegen des Unfalls eine Woche in der Werkstatt verbringt und Sie deswegen ein Ersatzfahrzeug ben\u00f6tigen, sind auch die daf\u00fcr entstehenden Kosten Teil des Schadens, den der andere zu tragen hat.<\/p>\n<p>So weit, so einfach und einleuchtend.<\/p>\n<p>Gelegentlich kommen allerdings Mandanten zu uns, weil sich die gegnerische Versicherung weigert, solche Mietwagenkosten in voller H\u00f6he zu erstatten. Gestritten wird in manchen dieser F\u00e4lle nicht \u00fcber die Haftung an sich (&#8222;dem Grunde nach&#8220;), auch nicht \u00fcber Mithaftungsanteile, sondern \u00fcber die legitime H\u00f6he der Kosten f\u00fcr den Mietwagen selbst.<\/p>\n<p>Es tut sich hier ein Problemfeld auf, das ich die &#8222;Mietwagenfalle&#8220; nennen m\u00f6chte; Falle deshalb, weil eine erhebliche Gefahr besteht, in sie zu tappen, ehe man \u00fcberhaupt Bedarf gesehen hat, fachkundigen Rat eines Rechtsanwalts einzuholen, daneben auch, weil ihr, einmal hineingefallen, nicht unbedingt ganz einfach zu entkommen ist. Entgegen dem oben dargestellten Grundsatz kann es vorkommen, dass sich der Unfall f\u00fcr den Gesch\u00e4digten, der eigentlich vollst\u00e4ndig entsch\u00e4digt werden muss (und, formal betrachtet, hier dennoch wird), als teurer Zwischenfall erweist.<!--more--><\/p>\n<h2>Die Ursachen des Problems<\/h2>\n<p>Wie kann es, den Grundgedanken vorausgesetzt, also dazu kommen, dass ein Gesch\u00e4digter auf Kosten sitzenbleibt? Daf\u00fcr gibt es zwei m\u00f6gliche Hauptursachen, die in der Findung des Mietwagenpreises liegen und wiederum folgende Grundwertung voraussetzen: Selbstverst\u00e4ndlich wird der Gesch\u00e4digte n\u00e4mlich nur insoweit entsch\u00e4digt, als er gesch\u00e4digt ist. Aus dem Unfall darf und kann er keinen Profit schlagen. Er ist auch selbst gehalten, den Schaden nicht unn\u00f6tig zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n<p>Es gibt Mietwagenvermieter, die einen speziellen \u201eUnfallersatztarif\u201c anbieten. Dieser ist in den hier interessierenden F\u00e4llen teurer als der Normaltarif. Aufgrund der dargestellten Wertung darf der Gesch\u00e4digte einen solchen Tarif, der \u00fcber dem Marktpreis f\u00fcr einen Mietwagen liegt, grunds\u00e4tzlich nicht in Anspruch nehmen, denn das erh\u00f6ht seinen Schaden ohne Not (oder, spiegelbildlich, ist schon gar nicht Teil seines Schadens). Wie fast immer gibt es auch davon Ausnahmen, etwa wenn der Tarif einen besonderen unfallspezifischen Mehrwert bietet oder g\u00fcnstigere Optionen nicht erkennbar waren.<\/p>\n<p>Daneben kann auch der Standardtarif des konkreten Mietwagenunternehmens \u00fcber dem Marktpreis und damit jenseits des Erforderlichen liegen. Um herauszufinden, ob dies der Fall ist, greifen Gerichte im Rahmen ihrer Sch\u00e4tzung auf Tabellenwerke zu den Marktpreisen zur\u00fcck, wobei sich die genaue Methode je nach Gericht und auch im Einzelfall unterscheiden kann. Auch hier erkennt die Rechtsprechung wiederum Ausnahmen an, wann ein h\u00f6herer Preis ersatzf\u00e4hig sein kann.<\/p>\n<p>Eine dritte, aber offensichtliche und daher ungef\u00e4hrlichere Falle liegt in der Anmietung eines zu hochklassigen Ersatzwagens. Dass die Mehrkosten daf\u00fcr nicht zu ersetzen sind, liegt auf der Hand.<\/p>\n<h2>Die L\u00f6sung<\/h2>\n<p>Wenn Sie Unfallbeteiligter sind, m\u00fcssen Sie bereits bei der Anmietung eines Ersatzfahrzeugs auf die dargestellten Fallstricke achten. Sie m\u00fcssen, grob gesagt, darauf achten, einen m\u00f6glichst g\u00fcnstigen, jedenfalls aber marktgerechten Preis zu erzielen und keine Sonderkosten oder Geb\u00fchren zu verursachen. Diese gehen n\u00e4mlich eventuell mit Ihnen heim.<\/p>\n<p>Da viele Mandanten bereits einen Mietwagen beschafft haben, bevor sie sich anwaltlich beraten lassen, ist es in einigen F\u00e4llen zu sp\u00e4t, auf diesen Umstand hinzuweisen. Daher m\u00f6ge dieser Beitrag allen ins Bewusstsein rufen, was sie im Fall des Falles bestenfalls sofort wissen m\u00fcssen.<\/p>\n<h2>Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist<\/h2>\n<p>Angenommen, Sie sind in die Falle getappt und haben nach einem v\u00f6llig fremdverschuldeten Unfall, mit bestem Gewissen und dem Glauben, genau den richtigen, weil spezifischen, Tarif gew\u00e4hlt zu haben, einen Mietwagen zum erh\u00f6hten Unfalltarif angemietet. Angenommen, Sie haben &#8211; grunds\u00e4tzlich zu recht &#8211; darauf vertraut, die Gegenseite m\u00fcsse die vollen Kosten tragen. Was ist in diesem Fall zu tun? Ist es schon zu sp\u00e4t, wenn Sie zum H\u00f6rer greifen, um Ihren Rechtsanwalt um Rat zu fragen?<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ja: Sie haben bereits Kosten ausgel\u00f6st, die nicht ersatzf\u00e4hig sind.<\/p>\n<p>Allerdings muss es dabei nicht bleiben: Wenngleich es in manchen F\u00e4llen tats\u00e4chlich endg\u00fcltig nicht m\u00f6glich ist, Ersatz f\u00fcr die Mehrkosten beim Unfallgegner zu erlangen, besteht unter einigen Voraussetzungen die M\u00f6glichkeit, Ersatz vom Vermieter des Mietwagens zu erhalten, Ersatz f\u00fcr den Schaden, der darin besteht, keinen vollen Ersatz zu erhalten.<\/p>\n<p>Obwohl es zweifelsohne besser ist, von vornherein nicht in die Falle zu gehen, gibt es auch dann noch Hoffnung, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Sp\u00e4testens jetzt wird allerdings kompetenter Rechtsrat kaum mehr verzichtbar sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Problem Der gesetzliche Grundgedanke ist einfach: Wer im Stra\u00dfenverkehr das Eigentum eines anderen besch\u00e4digt, muss diesen schadlos halten, jedenfalls soweit seine eigene Verantwortlichkeit (etwa aufgrund Verschuldens oder der sogenannten Betriebsgefahr) reicht und nicht aufgrund einer Mitverantwortung des Gesch\u00e4digten gemindert ist. Es gilt der Grundsatz der Totalreparation, das bedeutet, es ist im Prinzip der gesamte [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[106,108,107,105],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kanzlei-kellner.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/311"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kanzlei-kellner.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kanzlei-kellner.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kanzlei-kellner.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kanzlei-kellner.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=311"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.kanzlei-kellner.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/311\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":313,"href":"https:\/\/www.kanzlei-kellner.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/311\/revisions\/313"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kanzlei-kellner.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=311"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kanzlei-kellner.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=311"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kanzlei-kellner.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=311"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}